Martha Linck (Deutschland)

Blumen pflanzen gegen Resignation – als Freiwillige auf dem Tent of Nations

Die Regentage unmittelbar vor meiner Ankunft auf dem Tent of Nations hatten den positiven Nebeneffekt, dass die Bewässerung der jungen Bäume auf dem Weinberg nicht mehr notwendig war. Nach über zweieinhalb Jahren seit meinem letzten Besuch sammelten mich Daoud, Amal und Daher am 15. Dezember am Bab Izqak in Betlehem ein um mich zum Tent of Nations zu bringen. Noch auf der Hinfahrt überreichte mir Daoud drei Säcke mit Blumenzwiebeln und bevor ich am Tent of Nations angekommen war, hatte ich bereits meine erste Aufgabe: Die Erde war durch den Regen so aufgeweicht, dass jetzt der optimale Zeitpunkt ist um die vielen Gartenflächen umzugraben und Blumen zu pflanzen. Also waren Spitzhacke und Spaten in den ersten Tagen meine treuen Begleiter (wenn man von den sechs jungen Katzen mal absieht, die uns den ganzen Tag auf Schritt und Tritt verfolgten). Der Regen hatte aber nicht nur dafür gesorgt, dass die nasse Erde einen zweiten Schuh um unsere Arbeitsschuhe formte, sondern auch dass die Zisternen wieder mit Wasser gefüllt wurden. Nach dem Langen Sommer war die Erleichterung merklich zu spüren!

Die Aufgaben auf dem Weinberg sind vielfältig, auch wenn das Bewässern wegfällt, gibt es viel zu tun. Neben dem Umgraben und Unkraut jäten übernehmen die Freiwilligen jeden Tag die Versorgung der Tiere: Enten, Tauben und Hühner müssen gefüttert und ausgemistet und der Hund spazieren geführt werden. Zwei Tage arbeiteten wir zu dritt daran, Lavendel-, Salbei- und Thymianbüsche zu schneiden und anschließend zu trocknen (um sie dann im Tee zu trinken). Die restliche Zeit verbrachten wir damit, die Erde um die Bäume zu lockern, damit diese in der Regenzeit gut das Wasser aufnehmen kann und die Bäume im Sommer ein wenig besser vor Feuer geschützt werden, wenn es weniger Gras gibt. In der Woche liefen außerdem Renovierungsarbeiten in der Chapel Cave, sodass wir bei den Aufräumarbeiten halfen und kurz nach Weihnachten die Kapelle direkt mit einem gemeinsamen Weihnachtsgottesdienst (auf mindestens vier Sprachen!) einweihen konnten.

Während ich auf dem Weinberg war, waren zwischen vier und sechs weitere Freiwillige mit mir dort und ihre Gemeinschaft ich sehr genossen. Die gemeinsamen Mahlzeiten, entweder von den Frauen der Familie Nassar mitgebracht oder von einem von uns vorbereitet, waren voller guter Gespräche, Lachen und Insidern und die Kaffeepausen (eine Woche lang aßen wir dabei Tortenreste einer Goldhochzeit, dann Stroopwafels) das Highlight jedes Tages. Weihnachten feierten wir im Kreis der Freiwilligen mit mitgebrachten Falafel aus Betlehem, selbstgemachter Baba Ganush und Glühwein neben der aus einfachen Holzscheiten gebauten Krippe.

Neben all der Weihnachtsstimmung und Geselligkeit kann man bei der ganzen Arbeit die politische Realität nicht ausblenden und manchmal ist es hart, diese Realität auszuhalten – täglich den Bagger in der Siedlung zu hören und zu sehen, mit welchen Grenzen und Herausforderungen die Familie konfrontiert ist. Doch in allem, was die Familie tut steckt eine unbändige Hoffnung, die sich in den großen und kleinen Dingen zeigt. Selbst wenn es nur Blumenzwiebeln für den Garten neben der Einfahrt sind – einfach um es ein bisschen schöner zu haben.

Martha Linck, Mainz (Freiwillige auf dem Tent of Nations vom 15. – 27.12.2025)